Xiamen - eine Kostprobe Chinas
Kaum jemand von uns kann sagen, dass er China gut kennt. Angesichts seiner enormen Fläche könnte ich schreiben, dass ich hier gar nicht gewesen bin, denn diese paar Tage waren im Vergleich zu seiner Größe buchstäblich ein großes NICHTS. Ich habe nur ein wenig daran geschnuppert und es gekostet. Ich besuchte insgesamt 3 Städte und eine von ihnen war Xiamen.
Bevor ich nach China aufbrach, verstand ich nicht recht, was sie dort ohne Google, Facebook, Twitter, Instagram und weitere Internetdienste anfangen können, die wir täglich benutzen. Die Vorstellung, dass dort fast niemand gewöhnlich Englisch kann und sich wohl nicht einmal für die umliegende Welt interessiert, war ebenfalls schwer zu begreifen. Erst dort erkannte ich, dass, wenn ein Volk mehr als eine Milliarde Einwohner und ein so riesiges und vielfältiges Land hat, es die umliegende Welt eigentlich überhaupt nicht interessieren muss, denn ein Chinese kommt einfach mit Chinesisch und China aus.
Ich würde überhaupt nicht sagen, dass Xiamen eine große Stadt ist, und ich glaube, dass viele von Ihnen nie von ihr gehört haben. Ich würde mich nicht wundern. Von den Städten, die ich in China besuchte, war sie die kleinste, denn sie wird von "nur" 4,4 Millionen Menschen bewohnt. Nach chinesischen Verhältnissen eine ganz normale Stadt. Eigentlich hätte ich fast vergessen, ich machte auch in einer Stadt Halt, die nur 250.000 Einwohner hatte, aber von ihr würden die meisten Chinesen wohl als von einem Dorf sprechen.
Seit dem Jahr 1541 war Xiamen einer der wichtigsten chinesischen Häfen, wohin die Portugiesen und weitere europäische Händler segelten und wo die Hauptroute des chinesischen Tees hindurchführte. Die Stadt gehört auch gegenwärtig zu den großen Häfen, aber ihr Glanz vergangener Jahre ist schon etwas verblasst. Bekannter ist sie nun für ihr subtropisches Klima und so suchen sie viele einheimische Bewohner gern als Urlaubsort auf. Es herrscht hier wirklich eine angenehme Atmosphäre. Auch gibt es hier eine der beliebtesten Universitäten Chinas, weshalb man hier vielen Studenten begegnet.
In diesen knapp drei Tagen, die ich durch Xiamen schlenderte, traf ich etwa 3 weitere Europäer. Ich kam mir also völlig anonym vor, verloren im Getümmel der chinesischen Stadt. Fast niemand konnte Englisch, niemand konnte mich nach nichts fragen, und so nahm auch im Grunde niemand Notiz von mir. Nur ein Taxifahrer fragte mich in gebrochenem Englisch, woher ich sei, aber als ich ihm statt des erwarteten USA Czech Republic antwortete, schüttelte er nur verständnislos den Kopf. Also versuchte ich es noch mit Germany und Europe, aber auch damit hatte ich keinen Erfolg.
Alle Orte in China, und Xiamen war bestimmt keine Ausnahme, waren für mich ein Paradies des Essens. So viele Straßenstände mit wunderschön hergerichtetem Essen (vor allem Meeresfrüchte, Austern, Tintenfische, Krabben, Fischbällchen in Currysauce und viele weitere Köstlichkeiten) habe ich wohl nicht einmal in Hongkong gesehen. An einem Stand stieß ich wohl auf die beste Mango, die ich je gegessen habe. Nun, ich verputzte mindestens ein halbes Kilo davon, ich konnte nicht widerstehen. Liebhaber der asiatischen Küche kommen einfach auf ihre Kosten. Beim letzten Abendessen in der Stadt wäre ich von dieser Ladung an Köstlichkeiten fast in Ohnmacht gefallen.
Tipp 1: Machen Sie Halt am Ort Taiwan Folk Village. Es ist zwar ein touristischer, künstlicher Ort, der mit Traditionen nichts zu tun hat, aber Sie finden hier eine Menge hervorragendes Essen.
Tipp 2: Im südlichen Teil der Insel finden Sie auch moderne Architektur, überwiegend Hochbauten, die es wert sind, gesehen zu werden.
Tipp 3: Auch wenn Sie sich nicht gut verständigen können, besorgen Sie sich eine Karte der Insel und lassen Sie sich danach von günstigen offiziellen Taxis fahren. Vorsicht vor den nicht gekennzeichneten, die Sie am Ende teurer zu stehen kommen.
Tipp 4: Wenn Sie über Hongkong nach China reisen, kaufen Sie sich dort eine SIM-Karte, die Ihnen Datenverkehr sowohl in Hongkong als auch in China ermöglicht. So funktionieren Ihnen über das Hongkonger Roaming auch Internet-Apps, die sonst in China verboten sind. Zum Beispiel war der Google Übersetzer für mich eine Notwendigkeit.
Tipp 5: Nehmen Sie auf die Reise ausreichend Geld in bar mit. Zum einen kommen Sie in China mit einer VISA- oder Maestro-Card-Zahlungskarte nicht weit und zum anderen ist jeder Vorgang in der Bank, ebenso wie der Umtausch von Dollar oder Euro in die Landeswährung, eine ellenlange Prozedur, die Sie sich nicht allzu oft antun werden wollen. Ich wechselte Dollar etwa zweimal und es dauerte immer etwa eine halbe Stunde, mehrmals kopierten sie meinen Pass und die halbe Bank kam zusammen, um diesen Vorgang überhaupt bewältigen zu können.
Ausrüstung: Nehmen Sie die Ausrüstung entsprechend dem mit, was Sie fotografieren wollen. Ich denke, hier wird es sich vor allem um Streetfotografie handeln und Sie werden einen griffbereiten Fotoapparat mit einem 35mm- oder 28mm-Glas genießen. Gegebenenfalls ein Weitwinkelobjektiv für Architektur.




