DER GEHEIME TOKIOTER AUSSICHTSPUNKT

Wie ich im Artikel über den Skytree geschrieben habe, gibt es in Tokio viele Orte, an denen man zu einem Aussichtspunkt hinaufsteigen kann. Manche sind kostenpflichtig, andere sind kostenlos. Heute aber verrate ich Ihnen einen geheimen Ort, der Sie überwältigen wird.

An mehreren Stellen fand ich eine Fotografie des Berges Fuji, wie er buchstäblich über Tokio aufragt. Den Fuji hatte ich nur aus dem Flugzeug gesehen, und beim Blick auf die Karte war mir klar, dass er so weit von Tokio entfernt liegt, dass eine solche Aufnahme mit einem Objektiv mit wirklich langer Brennweite gemacht worden sein muss. Aber von wo aus lässt sich ein solches Foto machen, wenn es hier so viele Möglichkeiten gibt?

Der erste Gedanke war, dass es sich um eine Aufnahme aus dem Regierungsgebäude handeln könnte. Die Karte legte nahe, dass es möglich sein könnte. Ich kam also zu einem der Türme, fuhr in die Aussichtsetage hinauf, aber... Zum einen war der Fuji in eine Wolke gehüllt, und selbst wenn er perfekt sichtbar gewesen wäre, wäre es nicht der Anblick gewesen, den ich erwartet hatte. Zwischen mir und dem Fuji befanden sich nämlich keine weiteren Wolkenkratzer, die mit dem Berg einen eindrucksvollen Kontrast bilden würden. Zu sehen war nur ein langes Tal.

Am Abend setzte ich mich also ans Internet und suchte einen anderen Aussichtspunkt, der brauchbar sein könnte. Einen fand ich nach einer Weile und beschloss gleich am nächsten Morgen, ihn auszuprobieren. Ich brach früh auf, der Himmel war wolkenlos, und so hoffte ich, dass auch die Sicht gut sein würde und vor allem, dass ich den richtigen Ort ansteuerte.

Das Gebäude (Bunkyo Civic Center) fand ich recht leicht. Es ist nicht so hoch wie andere Aussichtsterrassen (nur 146 Meter), dafür aber kostenlos. Ich fuhr mit dem Aufzug zum Zielort hinauf, und sobald sich die Türen öffneten, stockte mir der Atem. Nicht nur war die Sicht perfekt und der Berg Fuji zu sehen, sondern er befand sich auch genau an dem Ort, den ich mir erträumt hatte.

Wie ich vermutet hatte, war für die Aufnahme eine Brennweite von 400 mm nötig, und einige Fotos machte ich auch mit einer Brennweite von 600 mm. Der Berg ragte majestätisch neben den Wolkenkratzern auf, in denen ich ihn am Vortag gesucht hatte. Etwa 30 Minuten lang konnte ich mich von diesem Anblick nicht losreißen. Es war ein absolut perfekter Ort. Fast niemand war hier, nur ein paar Japaner, die wie ich von dieser Aussicht wussten.

Auch zu der Seite, auf der sich der Skytree befindet, sieht man von hier gut hin, aber zum Fotografieren dieser Gegend wäre es besser, gegen Abend hierher zu kommen, wenn die Sonne auf der anderen Seite steht. Ich machte noch einige Zeitrafferaufnahmen der Straßen, fotografierte eine Weile interessante Spiegelungen in den Scheiben ringsum und ging dann zufrieden weg. Das war wirklich ein Ort, den ich nicht vergessen werde.

Das Bunkyo Civic Center ist ein Regierungsgebäude, das 1994 erbaut wurde. Hinter dem Bau steht das Architekturbüro Nikken Sekkei Ltd. Die Aussichtsterrasse befindet sich im 25. von insgesamt 28 Stockwerken. Das Gebäude steht am Ort des ehemaligen Rathauses des Stadtbezirks Bunkyo.

Tipp 1:

Adresse: 1 Chome-16-21 Kasuga, Bunkyō, Tokyo.

Tipp 2:

Hier dürfen weder Stativ noch Einbeinstativ verwendet werden. Entweder sind Sie sehr dreist und haben Glück, dass Sie keiner der Aufseher vertreibt, oder Sie nehmen einen Gegenstand mit, auf den Sie die Kamera mit dem Teleobjektiv legen können. Die Japaner bringen sich hierfür zum Beispiel mehrere Bücher mit.

Tipp 3:

Die beste Sicht ist meist morgens und zudem in den Wintermonaten. Im Sommer ist zu viel Feuchtigkeit in der Luft, und der Fuji ist oft in Dunst gehüllt. Zum Glück hat man hier eine Reihe von Maßnahmen gegen Smog getroffen, und so hat sich die Sicht im gesamten Raum Tokio in den letzten Jahren stark verbessert.

Ausrüstung:

Nehmen Sie unbedingt ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200 oder 300 mm mit. Hervorragend nutzen Sie hier auch verschiedene Telekonverter, die Ihnen detaillierte Aufnahmen des Fuji im Kontext der Wolkenkratzer ermöglichen. Achten Sie dann nur darauf, mindestens mit 1/300 s zu fotografieren, damit Ihre Fotos scharf sind. Und wenn sich eine so kurze Belichtungszeit nicht erreichen lässt? In solchen Fällen ist es wirklich hilfreich, die Kamera abzulegen und mit dem Selbstauslöser zu fotografieren.