Inle-See - Tag 2

Auch für den zweiten Tag am Inle-See vereinbarte ich ein Boot, denn ich wollte bis zum Dorf Inthein fahren. Dieses liegt nicht direkt am See, sondern an einem der Zuflüsse im südlichen Teil. Der Weg dorthin ist recht lang, allein die Fahrt über den See dauert 50 Minuten und dann noch etwa 30 Minuten den Zufluss hinauf.

Als ich um acht Uhr morgens am Hafen ankam, war mein Bootsführer nirgends zu sehen. Ich fand aber den Bootsbesitzer, der mir umgehend jemand anderen zuteilte. Das war jedoch ein blutjunger Birmane, der obendrein überhaupt kein Englisch sprach, und so dachte ich mir, dass es mit ihm heute wohl interessant werden würde. Und es ging auch gleich los. Etwa nach 5 Minuten Fahrt hielt er schon an und nahm noch einen Kumpan an Bord, der wohl ein paar Worte Englisch konnte und ahnte, wohin wir heute fahren sollten, aber der Nachteil war, dass er entweder einen ordentlichen Kater hatte oder noch betrunken war. Er fand heraus, wohin ich unterwegs war, wickelte sich im vorderen Teil des Bootes in eine Decke und versuchte, der morgendlichen Kälte zu entkommen. Nach Inthein ist, wie ich bereits erwähnt habe, der Weg über eine Stunde lang, und so friert man morgens auf dem See ordentlich durch.

Interessant war die Fahrt auf dem Fluss, der in den Inle mündet. Man musste gegen die Strömung fahren und während der Fahrt mehrere kleine Wehre überwinden. Der Fahrer, eigentlich sollte ich eher Kapitän schreiben, gab jedes Mal ordentlich Gas und übersprang mit dem Boot buchstäblich das kleine Wehr, das in der Mitte eine Lücke hatte, damit die Boote hindurchfahren konnten. Nach der ruhigen, monotonen Fahrt über den See war das eine willkommene Abwechslung.

Der angetrunkene und Betel kauende Gehilfe, den wir unterwegs aufgenommen hatten, war, wie ich es auch vermutet hatte, zu nichts zu gebrauchen. Ständig bot er nur an, Orte zu besuchen, an denen ich gestern schon gewesen war. Ihn zu verstehen war unmöglich, und alles machte er nur komplizierter.

In Inthein fand ein Markt statt, und so waren hier schon einige Boote mit Touristen und auch ziemlich viele Einheimische. Aber ich war nicht wegen des Marktes hergekommen. Der Hauptgrund waren die Sehenswürdigkeiten. Genauer gesagt der Tempel auf dem Hügel, um den herum sich über 1000 kleine Pagoden ausbreiten, häufen und drängen. Die meisten von ihnen stammen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Sie wurden von den Einheimischen errichten lassen oder errichtet, um Buddha selbst gewogen zu stimmen. Ich durchschritt das große Areal, wo sich eine Pagode an die andere drückt, manche zerfallen, andere sind neu. Manche sind nur aus Ton, andere ganz vergoldet. Jede ist mit einem Türmchen mit Glöckchen versehen. Zwischen den kleinen Pagoden und jenen, die sich  mehrere Meter in die Höhe erheben, gelangte ich bis zum Haupttempel. In seiner Nähe ist die Konzentration der Pagoden noch größer, und vor allem sind sie prunkvoller und vergoldet. Unter dem ständigen Klingen der Glöckchen bahnte ich mir meinen Weg durch das Gewirr der spitzen Bauwerke und fotografierte und fotografierte.

Hinter diesem Areal stehen noch einige einzelne Pagoden. Eine größere, etwa 400 m in Richtung See, und weitere an erhöhten Stellen über dem Hauptbereich. Von hier war ein schöner Blick auf das gesamte Areal. Außer dem Tempel betrachtete ich mir auch den ganzen Teil der Landschaft, der an den See angrenzt. Dieser Teil ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, und die Gemüseproduktion der gesamten Gegend muss riesig sein. Hinunter zum Boot ging ich über eine breite Treppe, die unzählige Souvenirstände säumten.  Schade, dass der Standverkauf und der Trubel darum herum die schöne und erhabene Atmosphäre dieser Orte stört und verdirbt. Unterhalb des Areals ist doch ein Marktplatz, und der sollte für den Verkauf von Souvenirs an Touristen genügen.

Nachdem ich dem Gehilfen des Kapitäns wiederholt erklärt hatte, dass ich schon den zweiten Tag am See war und die Hauptattraktionen gesehen hatte, begriff er, dass er mich zu nichts weiterem überreden würde, und wir brachen zum Dörfchen Mine Thawk auf.
Von Inthein dauerte die Fahrt etwa eine Stunde. In dieses Dorf fährt man vor allem wegen der Teakholzbrücke, die 400 Meter lang ist und den Seeteil mit dem Festlandteil des Dorfes verbindet. Am Nachmittag traf ich hier schon eine große Menge Touristen an und fand bald heraus, warum. Man bringt sie mit Booten aus Nyaunghwe samt Fahrrädern hierher, und die Touristen fahren dann mit dem Rad zurück in die Stadt. Und so kostete es mich einiges an Zeit, wenigstens einen ein bisschen leeren Steg zu fotografieren und auf den richtigen Moment zum Fotografieren zu warten.

In einem Moment kam eine einheimische Frau in einem winzigen Boot herangefahren und bot mir eine Fahrt durch das Dorf über kleine Kanäle an, in die größere Boote nicht gelangen. Das kam mir wie eine gute Idee vor, ich stimmte zu und bereute es nicht. Für die etwa 30 Minuten lange Fahrt zahlte ich nur 2000 MKK, und ich kann sie wärmstens empfehlen. Ich gelangte in winzige Kanäle, die direkt zwischen den Häusern, die über dem Seespiegel errichtet sind, und zwischen den schwimmenden Gärten hindurchführen. Ich war dort dem alltäglichen Leben des Dorfes nahe, konnte Dinge und Augenblicke fotografieren, die ich von einem großen Boot aus nicht gesehen und nicht gespürt hätte. Danach erwartete mich nur noch der Weg zum Hotel, das Abendessen und die nächtliche, 350 km lange Fahrt mit dem Bus in die Stadt Bagan.

Tipp 1: Der Weg nach Inthein dauert wirklich etwa 1,5 Stunden. Im Hafen werden sie einem einreden, dass es schrecklich weit sei (mir sagten sie 2,5 Std.), um den Preis in die Höhe treiben zu können. Am Ende handelte ich die Fahrt auf 23.000 MKK herunter.
Tipp 2: Planen Sie für die Besichtigung von Inthein mindestens 3 Stunden ein, und wenn Sie auch über den Markt gehen, dann noch mehr Zeit.
Tipp 3: Lassen Sie sich eine Fahrt in einem kleinen, nicht motorisierten Boot durch eines der Dörfchen nicht entgehen (z. B. Mine Thawk wie ich).