Inle-See - Tag 1

Die Wanderung von der Stadt Kalaw zum Inle-See dauerte drei Tage. Über diesen Trek habe ich bereits früher geschrieben, und den Artikel können Sie „hier" lesen. Am See stieg ich sofort auf ein 15 Meter langes Fahrzeug aus Teakholz, das hier als öffentliches Verkehrsmittel dient. Die Bootsbesitzer, von denen es viele gibt, beschäftigen Fahrer, und diese durchpflügen dann die Wasserflächen des Sees mit Einheimischen, Touristen, ortsansässigen Mönchen oder mit unterschiedlicher Ladung.

Der Inle-See hat eine Fläche von 116 Quadratkilometern und ist damit der zweitgrößte See Myanmars. Er liegt auf einer Höhe von 880 Metern über dem Meeresspiegel und lädt mit seiner geringen Tiefe zum Fischfang und zur Landwirtschaft ein.

Mit dem Boot fuhr ich bis in die Stadt Nyaungshwe, die an der Nordseite liegt und dem florierenden Tourismus die größte Infrastruktur bietet. Es gibt hier genug Hotels, Restaurants und Geschäfte, und man bekommt hier sehr leicht ein Boot für Streifzüge über den See. Ich quartierte mich in einem Hotel direkt am Hauptwasserkanal ein und hatte es so nur wenige Schritte zum Hafen. Sobald ich dort auftauchte, riefen mir die Bootsbesitzer sofort zu und boten mir eine Fahrt an. Man muss sich aber ein wenig überlegen, wohin und wann man aufbrechen will.

Jeden Tag findet in einem der Dörfer ein Markt statt, an welchem Ort am jeweils aktuellen Tag, das kann einem hier im Grunde jeder sagen. Ich wollte nach drei Tagen auf dem Trek wieder die großartige Atmosphäre eines asiatischen Marktes erleben, die mich fasziniert und mir immer sehr fotogen vorkommt. Ich plante also die Bootsfahrt gerade in ein Dorf (Phaung Daw Oo), in dem der Markt stattfand, dann zum heiligsten Ort Alodaw Pauk, wo sich sehr bekannte Buddha-Figuren befinden, außerdem hatte ich noch das Fotografieren einiger Handwerksbetriebe und den Besuch des Klosters der springenden Katzen vor.

Ich brach noch vor der Morgendämmerung auf. Über dem See lag der morgendliche Nebel, und über meinem Kopf flogen Vögel. Die Morgen sind hier wirklich kalt, und so klapperte ich bei etwa 7 Grad über null mit den Zähnen. Verstärkt wurde die Kälte durch die Geschwindigkeit des Bootes und die Tatsache, dass ich mich schon seit dem Abend nicht recht wohl fühlte und sicher Fieber hatte. Bis ich über den See von Norden nach Süden gelangte, dauerte es etwa 45 Minuten. Völlig durchgefroren stieg ich aus dem Boot und machte mich auf zum Markt. In Hülle und Fülle gab es hier das klassische Sortiment an Gemüse, Obst und Fleisch, das man überall in Myanmar findet. Dank des Fischfangs gab es hier jedoch auch etliche Stände voller Süßwasserfische, was ein großes Erlebnis sowohl fürs Auge als auch für die Geruchszellen ist.

Nachdem ich mich am Markt sattgesehen hatte, machte ich mich auf zum Tempel Alodaw Pauk. Es ist ein kleineres Areal mit einer goldenen Pagode, die, wie ich oben schrieb, für ihre kleinen Buddha-Figuren bekannt ist. Diese Figuren verwandelten sich im Laufe der Zeit in große goldene Klumpen, denn die Einheimischen vergoldeten sie immer weiter und weiter, bis sie ihre ursprüngliche Gestalt völlig verloren.

In der Nähe des Dorfes Thaung Thut befindet sich ein Tempelareal mit Dutzenden kleiner Pagoden. Dieses Areal lag an einem abgelegeneren Ort, ein Markt fand hier nicht statt, und das bedeutete, dass ich hier im Grunde völlig allein war. Während der ganzen Zeit traf ich nur etwa 4 Touristen und einen alten Mann, der die Treppe zum Tempel hinaufkletterte und kurz innehielt, um ein paar Worte mit mir zu wechseln und zu fragen, woher ich nach Myanmar gekommen sei. Und dann nur noch Pagoden und Pagoden und Fotografieren.

Nach dem Besuch der Pagoden hatte ich nur noch verschiedene Handwerksbetriebe geplant, von denen es rund um den See immer noch jede Menge gibt. Zwar werden aus ihnen nach und nach eher Verkaufsläden für Touristen, aber es besteht immer noch die Möglichkeit, den Handwerkern über die geschickten Hände zu schauen und ein wenig über die Herstellung zu erfahren. Ich besuchte eine Werkstatt für Silberschmuck, eine Manufaktur für Lotosgewebe, für Zigarren und für Teakholzboote.

Die ganze Fahrt entlang des Seeufers genoss ich die Ausblicke auf die einzelnen Dörfer, die auf Holzpfählen über dem Wasser errichtet sind. Am Anblick dieser fantastischen Bauten, die im Laufe der Zeit sicher verschwinden werden, konnte ich mich nicht sattsehen. Im mittleren Teil des Sees kann man außerdem in ein landwirtschaftliches Gebiet gelangen, wo die Gärten direkt auf dem Seespiegel angelegt sind. Große Büschel von Wasserhyazinthen dienen als Grundlage, die mithilfe von Pfählen am Seegrund befestigt wird, darauf wird Erde aufgeschüttet und schließlich werden Beete angelegt, auf denen Gemüse angebaut wird.

Die letzte Station des Tages war das Kloster der springenden Katzen. Der Name des Klosters entstand dadurch, dass die Mönche hier wirklich dressierte Katzen hatten, die verschiedene Kunststücke vorführten. Doch inzwischen liegen sie im Tempel nur noch in der Ecke herum und warten darauf, dass ein Tourist sie streichelt. Von der Katzendressur haben die Mönche vor einiger Zeit abgelassen. Aber ich war nicht gekommen, um Katzen zu besuchen, ich wollte die einzigartige Ausschmückung dieses hölzernen, auf dem Wasser stehenden Klosters sehen und fotografieren. Die meisterhafte Verzierung und vor allem die vier großen Buddha-Statuen sind die Fahrt wirklich wert. Zudem gibt es rund um den Tempel einen sehr angenehmen Garten, der zum Ausruhen einlud.

Dann erwartete mich nur noch eine etwa halbstündige Fahrt zum Hotel und Ruhe mit noch abklingendem Fieber. Ich hoffte nur, dass es mir am nächsten Tag besser gehen würde, denn ich wollte bis nach In Dein fahren, das ist ein etwa 1,5 Stunden entferntes Dorf mit einem Tempelareal, in dem es Hunderte und Aberhunderte Pagoden gibt.