Die Fischmärkte in Negombo
In Sri Lanka lande ich am Sonntagnachmittag. Müde nach der Zeitverschiebung und vor allem ein wenig durcheinander, weil ich bei einer gefühlten Temperatur von -10 Grad Celsius abgeflogen und in gefühlte +45 Grad gelandet bin. Am Flughafen weise ich etwa 7 Taxifahrer und 5 Tuk-Tuk-Fahrer ab und gehe bis zur Hauptstraße. Dort verhandle ich eine Weile mit einem Tuk-Tuk-Fahrer, aber er bietet mir an, mich ins Zentrum der Stadt Negombo für 1000 Rupien zu fahren, was mir ziemlich viel vorkommt. Am Flughafen habe ich mir aufs Telefon eine App installiert, mit der man sich ein Taxi, aber auch ein Tuk-Tuk rufen kann, und dank dessen, dass ich auch eine lokale SIM-Karte gekauft habe (5 GB Daten für 1 Monat für 800 Rupien), starte ich gleich die App und schaue, wie viel mich die Fahrt in die Stadt kosten sollte. Die App bietet mir einen Preis von 250–350 Rupien, und so weise ich auch das nächste Angebot des Fahrers, mich für 700 zu fahren, ab und rufe mir ein Tuk-Tuk über die App. Siegreich fahre ich für den endgültigen Preis von 300 Rupien los und bin glücklich, dass mich beim Transfer vom Flughafen endlich niemand „übers Ohr gehauen" hat. Das ist mir schon so oft passiert, dass dies wirklich eine außergewöhnliche Situation ist.
In Negombo habe ich ein Homestay für etwa 200 Kronen (1500 Rupien) reserviert; das Zimmer hat zwar weder Klimaanlage noch Handtücher oder Toilettenpapier, aber es ist recht sauber hier, und die Besitzerin ist sehr nett und bietet mir für 400 Rupien noch ein Abendessen an. Ich nehme mir also Nudeln mit Gemüse und gehe früh schlafen. Das geht aber nicht so recht, denn selbst mit dem Ventilator auf voller Drehzahl ist die Hitze wirklich fürchterlich. Nun, hoffentlich gewöhne ich mich bald daran. Am Morgen bin ich froh, dass ich mir für 6 Uhr früh bereits den Besuch des lokalen Fischmarkts eingeplant habe, denn ich wälze mich ohnehin nur im Bett und schlafe nicht. Auf der Straße schnappe ich mir ein Tuk-Tuk, und los geht's.
Der Fahrer setzt mich am Fischmarkt ab, der bereits in vollem Gange ist. Er muss hier schon so gegen fünf Uhr früh beginnen. Die Fischer fahren über Nacht zum Fang hinaus und kehren noch vor Sonnenaufgang zu diesem Markt zurück, wo sie den nächtlichen Fang ausladen und, wenn sie Glück haben, gleich verkaufen. Neben kleinen Fischern, die nur über Nacht fischen, gibt es hier auch größere Boote, die bis zu einem Monat auf See verbringen. Diese bringen große Fische wie Thunfische, Haie, Schwertfische oder Mantas. Es herrscht hier recht viel Betrieb, und so orientiere ich mich langsam, wo was passiert. Ein älterer Mann tritt an mich heran und fragt gleich, woher ich komme, und kommt mit mir ins Gespräch. Sicher ist er einer der Einheimischen, die hier auf verirrte Touristen warten. Er versucht, sich etwas Geld zu verdienen, indem er den Touristen alles über den Fischmarkt erzählt, und so halte ich mich an ihn, und er führt mich herum und zeigt mir verschiedene Winkel, die ich selbst nur schwer gefunden hätte. Zudem habe ich jetzt einen Einheimischen an meiner Seite, und so sind auch alle ringsum freundlich und haben kein Problem damit, dass ich hier fotografiere.
Die großen Thunfische sind bestimmt mehr als einen Meter lang, und wenn hier das nötige Feilschen abläuft und ein Aufkäufer sie kauft, wandern sie gleich in eine Kiste mit Eis und zurück auf irgendein Boot, das sie zum Hotel, in ein Geschäft oder ruhig auch in irgendein ausländisches Restaurant bringt. Vielleicht lassen Sie sich gerade jetzt irgendwo so einen Thunfisch schmecken. Aber es gibt hier nicht nur Fische, man stößt hier auch auf verschiedene Krabben, Langusten, Tintenfische oder Garnelen. Nun, einfach gesagt findet man hier wohl absolut alles, was einem der umgebende Indische Ozean zu bieten vermag.
Nachdem ich hier etwa eine Stunde verbracht habe, verabschiede ich mich vom Führer und fahre mit dem Tuk-Tuk ein Stück ans Meer. Dort, an einem großen Strand, findet ein großer Fischmarkt statt. Um es gut zu beschreiben: Der kleine ist eher für Einheimische und Großhandels-Zwischenhändler. Wohingegen der große schon von mehr Leuten aus der Stadt und von Touristen besucht wird. Also ist hier alles ordentlicher ausgelegt und übersichtlicher. Sie finden hier aber keine so großen Fische mehr. Der Grund, warum ich hierher komme, ist aber vor allem der, dass hier das Trocknen von Fisch stattfindet. Es handelt sich um eine traditionelle Methode, bei der der Fisch zunächst zwei Tage in Salzlake eingelegt wird. Danach wird er gereinigt, ausgenommen, „plattgedrückt" und in Meerwasser durchgewaschen. Die Frauen legen sie anschließend auf über den ganzen Strand verteilte Matten, wo sie sie regelmäßig wenden, bis die Fische ausreichend getrocknet sind.
Es handelt sich um die älteste Art der Fleischkonservierung, und das so behandelte Fleisch kann man unter geeigneten Bedingungen sogar mehrere Jahre lagern. Ursprünglich dachte ich, dass nur recht kleine Fische getrocknet werden, aber am Strand findet man oft auch Fische, die es an Größe mit einem Weihnachtskarpfen für eine fünfköpfige Familie aufnehmen könnten. Während die Fischer nach und nach die Fische reinigen und vorbereiten, laufen ringsum jede Menge Hunde, Raben und kleine weiße Reiher umher, die darauf warten, dass sie an die Reihe kommen und einen Happen erbeuten können. Und die essen sich hier wahrlich satt. Am Strand liegen unzählige Fischköpfe und abgehackte Flossen herum.
Rund um diesen Markt finden Sie auch mehrere kleine Bistros, aber Sie werden wohl ein wenig Mut sammeln müssen, um hier einzutreten. Ich habe mich getraut und machte mich auf, etwas zum Frühstück zu bekommen. Ins Auge fiel mir etwas, das aussah wie ein süßes Gebäck, das wir aus den europäischen Geschäften kennen. Im Teig suchen Sie aber vergeblich nach eingebackenem Pflaumenmus, Mohn oder Quark. Stattdessen finden Sie darin ein schön scharfes Fisch-Curry. Aber was anderes würden Sie an diesem Ort auch essen wollen? Nach dem schnellen Frühstück genoss ich noch eine Weile den Anblick des Fischtrocknens und all des Treibens, das rund um den Strand herrschte, und schon musste ich zum Bus nach Colombo und anschließend zum Zug in die Stadt Anuradhapura eilen.
Tipp 1: Seien Sie schon vor Sonnenaufgang auf dem kleinen Fischmarkt. Sie werden sehen, wie die Fischer ihre Fänge ausladen, und erleben, wie dieser ganze Ort erwacht und sich mit regem Treiben füllt.
Tipp 2: Wenn Sie sehen wollen, wie am Strand beim großen Markt die Fische getrocknet werden, seien Sie dort unbedingt spätestens gegen acht. Dann beginnen bereits die Touristen einzutreffen, und die Authentizität des Ortes wird nicht mehr vollkommen sein.
Tipp 3:Opfern Sie 1000 Rupien und bezahlen Sie einen der Einheimischen, die Ihnen auch die versteckten Winkel des kleinen Marktes zeigen.
Ausrüstung: Hier werden Sie wohl keine spezielle Ausrüstung brauchen. Mir war ein Stativ mit Videokopf nützlich, weil ich am Strand auch filmte, und bei Verwendung eines Objektivs mit langer Brennweite ist ein Stativ eine Notwendigkeit. Eher als Ihnen zu raten, mit welcher Technik Sie hierherkommen sollten, rate ich Ihnen lieber, mit Respekt, einem Lächeln und guter Laune hierherzukommen. Auch wenn die Einheimischen an Touristen gewöhnt sind, sind sie doch wegen ihrer Arbeit hier und nicht, um für Fotografen zu posieren. Seien Sie ihnen gegenüber daher zumindest so rücksichtsvoll, dass Sie sie fragen, bevor Sie sie fotografieren. Es genügt nämlich, nur Blickkontakt aufzunehmen und auf die Kamera zu zeigen, und schon finden Sie heraus, ob die betreffende Person ein Problem mit dem Fotografieren hat oder nicht.







